Am 18. September 2017 hat eine 22-jährige Studentin beim Gewerbeamt auf einem Formular „Verlag“ notiert. Was seitdem passiert ist, passt kaum in einen Beitrag. Aber ein Versuch ist es Wert:

Das erste Buch hing an der WG-Zimmertür

Ein heller Altbauraum: an Wand und Tür hängen ausgedruckte Buchseiten mit Fotos und Texten, davor ein Schreibtisch mit Laptop
Das erste Buch, ausgedruckt und aufgehängt.

Seite für Seite, und jeden Morgen wurde beim Zähneputzen korrekturgelesen. Dann kam die erste Lieferung: dritter Stock, Altbau, kein Aufzug. Jedes Buch ging irgendwann die Treppe wieder runter zur Post, das waren immer die schönsten Stufen der Welt.

Aus einem Buch wurden zwei, dann drei, dann vier.

Irgendwann zog der Verlag nach St. Pauli

Blick über St. Pauli: der Hamburger Fernsehturm, ein Regenbogen und das Gebäude mit dem Musikclub, an der Fassade ein großes Wandbild
Blick aus dem Verlagsbüro.

Direkt über einem Musikclub. Wenn unten die Proben anfangen, weiß man oben, dass Feierabend ist. Meistens.

Und die Bücher?

Eine Palette mit frisch gedruckten Büchern auf einem Hubwagen, daneben ein Kombi mit offener Heckklappe und Versandkartons
Eine Bücher-Lieferung.

Als das WG-Zimmer platzte, zogen sie erst in die Filmproduktion eines Freundes, dann zu Verlagskolleg*innen nach Essen (die hatten einen Gabelstapler!) und landeten schließlich in Göttingen, von wo sie heute in den Buchhandel gehen.

Naja, fast alle. Für den Onlineshop lagert ein Teil im Büro und ein Teil im „Lager-Süd“. Lager-Süd heißt übersetzt: Mamas Keller. Beste Logistik-Urlaubs-Supporterin, die ein Indie-Verlag haben kann!

Lesungen, einmal sogar auf einem Schiff

Ein voller Raum mit Sesseln und Bücherregalen, das Publikum applaudiert, auf dem Tisch liegt das Buch „Vorwiegend festkochend“
Lesung zu „Vorwiegend festkochend“.

Es folgten Lesungen in Literaturhäusern, Buchläden, Cafés und Bibliotheken. Außerdem in einem Kino, in einem Theaterfoyer, in einem Hörsaal und einmal sogar auf einem Schiff auf der Elbe. Alle kommenden Termine stehen übrigens auf unserer Veranstaltungsseite.

Dann stand ein Fernsehteam in der Druckerei

Eine Druckerei mit Maschinen und Papierstapeln, ein Kamerateam mit Mikrofonangel filmt an einer Druckmaschine
Dreh in der Druckerei.

Danach kamen NDR, Deutschlandfunk, ZEIT, taz und die Tagesschau, jedes Mal ein Freudentanz.

Von kleinen Messen nach Leipzig und Frankfurt

Zwei Personen hinter einem Verkaufstisch voller Bücher, Poster und Jutebeutel
Wie es anfing: ein Tisch, ein paar Stapel.

Neben den kleinen Buchmessen wurde Leipzig im März zum festen Termin. Und im Oktober sind wir zum ersten Mal mit einem eigenen Stand in Frankfurt.

Ein Messestand mit der Beschriftung Anker Wechsel und Shift Books, Bücher in gelben und lila Regalen, drei Menschen sitzen auf der Bank davor
Der Stand in Leipzig.
Harriet Dohmeyer im Gespräch mit Claudia Roth am Messestand des Ankerwechsel Verlags, ringsum Bücher in gelben Regalen
Besuch am Stand 2024: Claudia Roth.

Und noch mehr wuchs

Katrin pflegt seit zwei Jahren unsere Pressearbeit, Andrea behält als Assistenz im Blick, was sonst verloren ginge.

Dazwischen lagen auch schwierige Zeiten. Bücher, die länger im Lager standen als geplant. Nächte mit Tabellen statt Manuskripten.

Und dann klingelte die Stiftung Buchkunst

Ein Schaufenster mit den ausgezeichneten Büchern des Jahrgangs, davor steht Konrad Staisch mit einem Glas in der Hand
Konrad Staisch vor dem Schaufenster mit den ausgezeichneten Büchern.

2026 gehört „Das, was da ist“ von Konrad Staisch zu den 25 Schönsten Deutschen Büchern. Es gab Auszeichnungen davor, diese war die, bei der die Verlegerin auf dem Flur geschrien hat.

Vierzehn Bücher, und das nächste kommt gerade aus der Druckerei

In der Druckerei: eine Person hält einen großen Druckbogen mit den Seiten des Bilderbuchs hoch und lächelt in die Kamera
Andruck von „Omas Ohren können nicht hören“.

Vierzehn Bücher sind es bis heute. Sachbücher, Belletristik, Graphic Novels, Stadtporträts, Kinderbücher, ein Buch übers Laufen, eines übers Reparieren, eines über Pilze.

Das neueste, „Omas Ohren können nicht hören“, erscheint am 1. Oktober. Manches ändert sich nie: Die Aufregung vorm Andruck ist dieselbe wie 2017.

Danke

Fünfzehn Fotos aus neun Jahren Ankerwechsel Verlag: Autor*innen und Illustrator*innen bei Lesungen, Signierstunden, Workshops und auf Messeständen
Neun Jahre in fünfzehn Bildern.

Niemals hätte die 22-Jährige sich träumen lassen, wie viele tolle Menschen sie durch den Verlag kennenlernen wird. Über 40 Menschen haben mit uns bereits Bücher gemacht.

Neun Jahre Ankerwechsel Verlag.

Danke, dass ihr das mit mir lest, weitererzählt, kauft, verschenkt und in Buchläden und Bibliotheken dafür stürmt.

Auf die nächsten neun Jahre!

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