Schwerhörigkeit Kindern erklären

Cover von „Omas Ohren können nicht hören“ von Johanna Trunte und Hilde Biedermann: Oma mit blauer Brille, auf dem Kopf eine grüne Schnecke

„Omas Ohren können nicht hören“ ist ein Bilderbuch über Schwerhörigkeit bei Großeltern, erzählt aus Kindersicht. Geschrieben von Johanna Trunte, illustriert von Hilde Biedermann. 58 Seiten, davon zehn ein ausklappbarer Wissensteil. Erschienen am 1. Oktober 2026 im Ankerwechsel Verlag, zum Vorlesen ab 5 Jahren.

Wenn Oma immer weniger versteht

Johanna Trunte hat ein Bilderbuch gesucht, das Kindern Schwerhörigkeit erklärt, und keins gefunden. Also hat sie selbst eins geschrieben. Suki im Buch ist ihre Tochter, Sukis Oma ist ihre Mutter. Entstanden ist eine Geschichte über zwei Menschen, die sich sehr mögen und sich trotzdem immer schwerer verstehen.

Doppelseite: Oma mit Hörgerät und Suki sitzen am gedeckten Tisch, in der Mitte ein Schokoladenkuchen

Was in der Geschichte passiert

Sukis Oma ist ihre Lieblingsoma. Sie kommt jede Woche, erzählt Geschichten, backt Schokoladenkuchen und baut Höhlen mit. Aber etwas ist jetzt anders: Die Hörgeräte reichen nicht mehr, und Suki muss alles zwei-, drei-, sechsmal sagen. „Alle sagen, Oma hört nichts. Aber das stimmt gar nicht. Oma hört richtig viel und richtig laut.“ In ihrem Kopf piept und pfeift und wummert es, und diesen Krach kann sonst niemand hören. Sie nennt ihn Tinnitus. Ruhig ist es nur im Schlaf, und in ihren Träumen hört sie alles. Dann bekommt Oma ein Cochlea-Implantat, eine kleine Helferin für ihre Hörschnecke. Cochlea heißt Schnecke, und mit Schnecken kennt Suki sich aus: „Oma hat die Kräfte einer Schnecke!“ Hilde Biedermann hat den Krach sichtbar gemacht. Er steht handgeschrieben mitten im Bild, „HUP HUP“ und „QUIIIEK“, und legt sich als dunkles Gekritzel um Omas Kopf. Schnecken sitzen auf fast jeder Doppelseite, ganz am Ende darf man sie zählen.

Doppelseite: Suki ruft von einem gelben Hügel, rechts schaut Oma mit Hörgerät ernst aus grauem Nebel herüber

Der Wissensteil zum Aufklappen

Im hinteren Teil des Buches werden Begriffe erklärt und Wissen vermittelt, darunter solches zu Gebärdensprache, das Ablesen vom Mund, Tinnitus, Schwindel und eine beschriftete Grafik vom Ohr. Und das, was über Cochlea-Implantate selten zu lesen ist: dass man damit nicht automatisch wieder hört, dass am Anfang nur Geräusche da sind und dass es manchmal auch nicht klappt. Geprüft hat diesen Teil PD Dr. rer. nat. Luise Wagner, Medizinphysikerin am Halleschen Hör- und Implantat-Zentrum der Universitätsmedizin Halle. Das Sensitivity Reading kam von Cindy Klink, Deaf Performerin und Schauspielerin.

Doppelseite aus dem Wissensteil über Lippenlesen, Hörgeräte, Cochlea-Implantate, Tinnitus und Schwindel

Ein Blick ins Buch

Zum Vergrößern antippen.

Das gedruckte Bilderbuch „Omas Ohren können nicht hören“ liegt in der Sonne auf einem alten Holztisch
Aufgeschlagene Seite mit zwei Schnecken und einem Stein, der auf den ausklappbaren Wissensteil zeigt
Aufgeschlagenes Buch: Oma mit Hörgerät steht unter einer schwarzen Wolke aus Piepen, Pfeifen und Rauschen
Aufgeschlagene Seite auf grünem Grund: ein gezeichnetes Ohr schlägt Rad, daneben tanzt ein kleines rotes Krabbeltier
Das Bilderbuch „Omas Ohren können nicht hören“ liegt auf einem gemusterten Teppich im Sonnenlicht
Rückseite des Bilderbuchs mit Klappentext, Hinweis auf den Ausklapp-Wissensteil und Altersangabe ab 5 Jahren

Welche Fragen das Buch beantwortet

Kinder fragen beim Vorlesen alles, was ihnen einfällt, und meistens genau das, worauf Erwachsene keine Antwort parat haben. Auf diese hier gibt das Buch eine.

Was ist mit Omas Ohren los?

  • Warum versteht Oma mich nicht, obwohl sie Hörgeräte trägt?
  • Hört Oma wirklich gar nichts?
  • Was hört Oma nicht mehr?
  • Wie klingt Musik für Oma?
  • Warum ist Oma nach dem Reden so müde?
  • Warum zieht Oma sich manchmal zurück?
  • Warum redet Oma manchmal so laut?
  • Warum erschrickt Oma sich so leicht?
  • Kann Oma im Traum hören?
  • Was heißt schwerhörig, gehörlos, taub und spätertaubt?
  • Warum schreiben manche „Taub“ groß?
  • Warum sagt man nicht „taubstumm“?
  • Können Schnecken hören?

Tinnitus und Schwindel

  • Was ist Tinnitus?
  • Wie fühlt sich Tinnitus an?
  • Warum haben schwerhörige Menschen oft Tinnitus?
  • Wird der Tinnitus mit dem Cochlea-Implantat leiser?
  • Hängen Hörprobleme und Schwindel zusammen?

Wie verstehen wir uns trotzdem?

  • Hilft es, wenn ich lauter spreche?
  • Wie rede ich am besten mit Oma, damit sie mich versteht?
  • Kann Oma alles von den Lippen ablesen?
  • Was ist Gebärdensprache?
  • Ist Gebärdensprache überall auf der Welt gleich?
  • Wie zeigt man „Ich liebe dich“ in Gebärdensprache?

Hörgeräte und Cochlea-Implantat

  • Wie funktioniert ein Hörgerät?
  • Sind Hörgeräte nur etwas für alte Leute?
  • Was ist ein Cochlea-Implantat und was heißt „Cochlea“?
  • Wie funktioniert ein Cochlea-Implantat?
  • Wo sitzt das Cochlea-Implantat und sieht man es?
  • Was passiert bei der Operation?
  • Kann Oma mit dem Implantat sofort wieder hören?
  • Wie klingen Stimmen mit Cochlea-Implantat?
  • Kann man das Cochlea-Implantat abnehmen oder ausschalten?
  • Hilft ein Cochlea-Implantat jedem?
  • Wie sieht das Ohr von innen aus?

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Was wir beim Arbeiten an dem Buch gelernt haben

Wenn ein Kind aufhört zu fragen

Kinder beziehen es leicht auf sich, wenn Oma nicht reagiert. Dagegen hilft ein klarer Satz: „Oma hat dich nicht überhört, sie hat dich nicht gehört. Das ist etwas anderes.“ Warum das so ist, versteht ein kleines Kind über ein Bild: „Omas Ohren sind müde geworden. Sie hört, dass du sprichst, aber nicht mehr jedes Wort.“ Oder genauer: „Tief im Ohr sitzt eine Schnecke, die die Töne ans Gehirn weitergibt. Bei Oma gibt sie nicht mehr alle weiter.“ Schwieriger ist der Moment, in dem ein Kind aufgibt. Wer dreimal wiederholen musste, sagt beim vierten Mal nichts mehr. Dagegen hilft eine Aufgabe: „Du kannst Oma helfen. Schau sie an, bevor du redest, dann kann sie dein Gesicht mitlesen.“

Zwei Schnecken mit langen Fühlern und pinken Wangen nebeneinander, schwarze Strichzeichnung aus „Omas Ohren können nicht hören“.

Warum lauter reden häufig nicht hilft

Schwerhörigkeit dreht nicht die Lautstärke herunter, sie verzerrt den Ton und schluckt Buchstaben. Zuerst verschwinden die hohen Frequenzen und die Konsonanten. Man hört, dass jemand spricht, versteht die Wörter aber nicht. Lauter macht das selten besser, deutlicher schon. Aus demselben Grund bringt ein Hörgerät nicht das Hören von früher zurück. Es verstärkt den Schall, heilt aber kein beschädigtes Hörorgan. Und vom Mund ablesen ersetzt nichts. B, P und M sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Der Deutsche Gehörlosen-Bund gibt an, dass sich nur etwa 30 Prozent der Laute ablesen lassen, den Rest muss das Gehirn erraten. Zwei Sätze fallen besonders oft:

  1. „Einen Hörverlust merkt man doch selbst.“
    Stimmt nicht. Das Gehirn schaltet unbemerkt eine Autokorrektur aus Mundbild und Raten ein, deshalb fällt eine Schwerhörigkeit meist zuerst dem Umfeld auf.
  2. „Das betrifft doch nur alte Menschen.“
    Stimmt auch nicht. Vom Hörsturz über Infektionen und Knalltraumata bis zur Genetik kann es jede Person treffen, in jedem Alter.
Zwei große gezeichnete Augen mit Wimpern und einer pinken Nase dazwischen, aus „Omas Ohren können nicht hören“.

Was man von außen nicht sieht

Das Gehirn rät den ganzen Tag. Aus verzerrten Tönen, aus halben Mundbildern, aus dem Zusammenhang. Das kostet Kraft, und deshalb sind schwerhörige Menschen abends oft völlig erschöpft. Im Buch sagt Oma nach einem Gespräch: „Ich bin total geschafft, aber voller Hoffnung.“ Dazu kommen bei vielen Ohrgeräusche. Wie ein Tinnitus entsteht, ist nicht abschließend geklärt. Eine verbreitete Erklärung lautet: Normalerweise schickt das Ohr ständig Signale ans Gehirn, und wenn das Gehör nachlässt, kommen kaum noch welche an. Das Gehirn dreht daraufhin die eigene Verstärkung so weit auf, bis es ein Geräusch wahrnimmt, das es gar nicht gibt. Hörorgan und Gleichgewichtsorgan liegen im Innenohr direkt nebeneinander. Manche Erkrankungen treffen deshalb beides, und zum schlechteren Hören kommt Schwindel dazu. Wer schwerhörig ist, hat deswegen aber nicht automatisch Schwindel.

Doppelseite: links bunte Pflanzen und eine Straßenbahn, rechts steht Oma unter einer schwarzen Wolke aus Geräuschen

Was Gespräche leichter macht

  1. Ins Gesicht schauen, bevor du anfängst zu reden. Nicht aus dem Nebenzimmer rufen.
  2. Normal sprechen. Lauter hilft selten, deutlicher schon.
  3. Nicht die Hand vor den Mund halten, nicht mit vollem Mund reden.
  4. Bei Missverständnissen den Satz anders bauen, statt ihn zu wiederholen. Andere Wörter, neue Chance.
  5. Nur einer redet. Mehrere Stimmen gleichzeitig sind das Schwierigste überhaupt.
  6. Nachfragen ist erlaubt. „Hast du das verstanden?“ ist freundlicher, als so zu tun, als wäre nichts.

Schnecke mit langen Fühlern, gepunktetem Fuß und pinken Wangen, schwarze Strichzeichnung aus „Omas Ohren können nicht hören“.

Schwerhörig, taub, spätertaubt: über die Wörter

Hörend heißt: gut hören ohne Hilfsmittel. Schwerhörig heißt: schlechter hören, oft mit Hörgerät, von leicht bis hochgradig. Taub oder gehörlos heißt: nicht oder fast nicht hören. Spätertaubt heißt: das Gehör verlieren, nachdem man sprechen gelernt hat. Viele Menschen bevorzugen inzwischen „taub“, weil in „gehörlos“ schon ein Mangel steckt, nämlich das „-los“. Wer Taub groß schreibt, meint damit die Zugehörigkeit zu einer Sprachgemeinschaft, die Gebärdensprache benutzt. „Taubstumm“ ist falsch, weil taube Menschen sprechen können, nur eben anders. Kinder übernehmen das Wort schnell, wenn sie es einmal hören, deshalb lohnt es sich, es früh zu ersetzen. Warum unser Buch dann „Omas Ohren können nicht hören“ heißt: Im Buch steht direkt danach oder doch? Der Satz ist Sukis Sicht am Anfang, und die Geschichte korrigiert ihn. Auch auf dieser Seite stehen Wörter wie „Hörverlust“, weil Menschen danach suchen, wenn sie Rat brauchen. Für alle passen sie nicht: Wer taub geboren ist, hat nichts verloren, und für viele taube Menschen ist Taubheit kein Mangel, sondern eine Sprache und eine Kultur.

Für Kitas, Praxen und Beratungsstellen

Im Bilderbuch über Schwerhörigkeit bei Großeltern lassen sich Geschichte und Wissensteil getrennt lesen. Wenn ihr mehrere Exemplare braucht oder Fragen habt, schreibt uns: hallo@ankerwechsel.de

Postkarten zum Auslegen

Für Praxen, Beratungsstellen und Infozentren haben wir Postkarten. Schreibt uns kurz, wie viele ihr braucht, dann schicken wir sie euch zu.

Vorderseite der Postkarte zum Buch: „Oma kann nicht hören?“ über einer Illustration von Sukis Oma mit Hörgerät im Garten, daneben eine Schnecke.
Rückseite der Postkarte: „Doch. Nur ihre Ohren können’s nicht.“ mit Cover, Kurztext zum Buch und QR-Code.

Malvorlage zum Ausdrucken

Die Malvorlage könnt ihr kostenlos herunterladen und so oft ausdrucken, wie ihr wollt. Darauf stapeln sich Schnecken, eine ist leer und wartet auf ihre Ohren, und zwei Gebärden zum Nachmachen sind dabei: „Danke“ und „Ich liebe dich“.

Malvorlage als PDF herunterladen

Wo Familien weiterkommen

Wir sind ein Verlag und keine Beratungsstelle. Wer konkrete Fragen hat, findet Hilfe beim Deutschen Schwerhörigenbund und beim Bundeselternverband gehörloser Kinder, wenn das eigene Kind betroffen ist. Wer mit Kindern Gebärdensprache lernen möchte, findet in „Hand in Hand die Welt begreifen“ von Andreas Costrau ein Bildwörterbuch mit rund 1.700 Gebärden, illustriert von Susann Hesselbarth und Ulrike Jentzsch. 2026 bei Klett Kinderbuch in stark aktualisierter Neuauflage erschienen, ab 7 Jahren.

Social-Media-Accounts zum Folgen

Auf Instagram erzählen Menschen selbst von ihrem Alltag mit Hörgerät, Implantat oder in Gebärdensprache. Sie erklären vieles besser, als wir es könnten.

  • @cindyklink – Deaf Performerin und Schauspielerin, hat für unser Buch das Sensitivity Reading gemacht
  • @ci_on_air – taub nach einem Hörsturz, heute mit Cochlea-Implantat, Ansprechpartnerin für einseitige Taubheit in Hessen
  • @ineskasuch – nach einem Hörsturz einseitig taub, teilt offen ihren Weg mit dem Implantat
  • @arte_dimi – trägt zwei Hörgeräte und räumt mit dem Vorurteil auf, das sei etwas für alte Menschen
  • @enjahoertwas – lebt mit Cochlea-Implantat und Hörgerät, erzählt vom Alltag unter Hörenden
  • @hand.drauf – gesellschaftliche Themen und Diskriminierung in Deutscher Gebärdensprache, für die junge Gehörlosen-Community (WDR)
Ein Herz mit Gesicht steht zwischen gezeichneten Blumen mit pinken Blüten, aus „Omas Ohren können nicht hören“.

Woher die Angaben auf dieser Seite stammen

Wie viele Menschen in Deutschland eine Hörbeeinträchtigung haben, lässt sich nur schätzen. Bundesweit repräsentative Erhebungen dazu gibt es nicht. Am gründlichsten untersucht hat es zuletzt HÖRSTAT von Petra von Gablenz und Inga Holube am Institut für Hörtechnik und Audiologie der Jade Hochschule: rund 3.100 Datensätze aus Oldenburg, Emden und Aalen, von dort hochgerechnet auf 10 bis 12 Millionen hörbeeinträchtigte Erwachsene, etwa 16 Prozent, mit steigender Tendenz. Der Deutsche Schwerhörigenbund schätzt 16 Millionen Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung und davon 3 bis 4 Millionen als schwerhörig ein. Die Zahl zum Ablesen vom Mund stammt aus dem Ratgeber Gehörlosigkeit des Deutschen Gehörlosen-Bundes. Den Wissensteil des Buchs hat PD Dr. rer. nat. Luise Wagner geprüft. Die Texte auf dieser Seite stammen vom Ankerwechsel Verlag, Stand September 2026. Weder die Seite noch das Buch ersetzen ärztliche Beratung. Wer Fragen zum eigenen Hören oder zum Hören eines Kindes hat, ist in einer HNO-Praxis richtig.