Manchmal ist das Naheliegendste das Unsichtbarste.
Wir gehen durch den Wald und sehen Bäume. Wir reden mit unserer Oma und merken irgendwann, dass etwas nicht mehr stimmt. Dass die Gespräche kürzer werden. Dass wir anfangen, alles zweimal zu sagen.
Unser Herbstprogramm besteht aus zwei Büchern, die genau hinschauen. Beide sind ab sofort vorbestellbar, beide erscheinen in den nächsten Wochen.
Myko – ein Sachbuch, das die Pilze selbst geschrieben haben
„Wir sind keine Pflanzen. Wir sind Pilze.“ Mit dieser Unabhängigkeitserklärung beginnt Myko, und danach übernehmen die Pilze das Heft. Zehn Ausgaben eines Magazins, herausgegeben von Chefredakteur Fungus X. Imperfectus, berichten über Geschichte, Ökologie, Sport und Kultur aus der Sicht eines Reichs, das die Erde deutlich länger bewohnt als wir.
Es geht um Tante Klothilde, ohne die Alexander Fleming das Penicillin nicht entdeckt hätte. Um den Schleimpilz, der in 25 Stunden den Nahverkehrsplan für Tokio zeichnete. Um den Stadtchampignon, der Asphalt anhebt. Dazwischen Interviews, Mythen, Gedichte und Experimente zum Selbermachen: Pilze auf Zapfen ziehen, mit Sporen malen, Luftqualität an Flechten ablesen.
Jiří Dvořák und Daniela Olejníková haben dafür 2024 den Bologna Ragazzi Award in der Kategorie Non-Fiction bekommen, eine der wichtigsten internationalen Auszeichnungen für Kinder- und Jugendbücher. Mirko Kraetsch hat das Buch aus dem Tschechischen übersetzt, das Fachlektorat kam von Prof. Dr. Meike Piepenbring, Professorin für Mykologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Das Projekt haben wir in einer Kooperation mit dem Raum für Illustration umgesetzt, Philipp Schultz hat auch den Satz übernommen.
Gedruckt wird in Tschechien, in derselben Druckerei wie das Original vom Prager Verlag Baobab, mit vierzehn Sonderfarben im Innenteil. Das ist eine bewusste Entscheidung: Bei einem komplexreren Buch, das so stark von seiner Farbigkeit lebt, wollten wir nicht neu andrucken, was schon einmal richtig war und die Ursprungsdruckerei würdigen (und auch direkt besuchen!).
→ Myko – Sachbilderbuch über Pilze ab 8 Jahren, erscheint am 1. September
Omas Ohren können nicht hören
Sukis Oma ist ihre Lieblingsoma. Aber Gespräche werden anstrengender, Missverständnisse häufen sich, und in Omas Kopf tobt ein Lärm, den sonst niemand hört. Dann kommt eine kleine Helferin: das Cochlea-Implantat.
Johanna Trunte erzählt aus Sukis Sicht, ohne Rührseligkeit und mit konkreten Details. Der Tinnitus klingt wie eine Baustelle im Kopf. Der Magnet hält im Haar. Die Stimmen nach der Operation fühlen sich an wie ein sehr alter Computer. Hilde Biedermanns Illustrationen machen den Krach sichtbar, mit Handlettering von HUP HUP bis Quiiiek.
Nach der Geschichte folgt ein ausklappbarer Wissensteil: Was heißt hörend, schwerhörig, gehörlos, spätertaubt? Warum ist „taubstumm“ ein falsches Wort? Was macht ein Cochlea-Implantat, und wie unterscheidet es sich vom Hörgerät? Das fachliche Lektorat übernahm PD Dr. Luise Wagner von der Universitätsmedizin Halle, das Sensitivity Reading Cindy Klink, Deaf Performerin und Schauspielerin.
Das Buch kommt aus Johanna Truntes eigener Familie. Suki ist ihre Tochter, Sukis Oma ihre Mutter. Ein Bilderbuch, das ihnen damals weitergeholfen hätte, hat sie nicht gefunden. Also hat sie es geschrieben.
→ Bilderbuch über Schwerhörigkeit bei Großeltern, erscheint am 1. Oktober
Was sonst noch los ist
Das, was da ist von Konrad Staisch gehört zu den 25 Schönsten Deutschen Büchern 2026. Am 4. September entscheidet sich in Frankfurt, welches der 25 den Preis der Stiftung Buchkunst bekommt.
Der Alleinstein von Hilde Biedermann steht auf der Shortlist desselben Wettbewerbs. Und Das Ende der Unversehrtheit ist auf der Shortlist des ADC-Wettbewerbs 2026.
→ Mehr über die Auszeichnung für „Das, was da ist“
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